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Briefwechsel Braunschweigische Evangelische Kirche |
[Letzte Aktualisierung: 30.04.2002] |
Dr. Robert Fischer, Oberlandeskirchenrat der Ev.-luth. Landeskirche in
Braunschweig äußerte sich Ende 2000 in einem Gastkommentar im
doppelpunkt, der Zeitschrift des Marienstiftes, eines Krankenhauses in
Trägerschaft des Diakonischen Werkes in Braunschweig, zum Thema Kann Kirche
segnen, was nicht Gottes Wille ist?
Die HuK-Regionalgruppe Braunschweig hat daraufhin an den Bischof der Braunschweiger
Landeskirche, Herrn Dr. Christian Krause, geschrieben. Der Briefwechsel
zwischen der HuK Braunschweig und dem Landeskirchenamt wird hier dokumentiert.
von Oberlandeskirchenrat Dr. Robert Fischer
Ehe und Familie als Schöpfungsordnung Gottes können nicht beliebig durch den Menschen ersetzt werden."
Und der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei". So übersetzt Martin Luther 1. Mose 2,18.
Ehe und Familie sind also keine Erfindung des Menschen, sondern Bestimmung der Schöpfungsordnung Gottes. In seiner Geschöpflichkeit, in seinem Geschaffensein als Mann und Frau und darin in Gottes Gutsein" für den Menschen ist alle Ordnung" der Ehe begründet. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn und schuf sie, einen Mann und eine Frau" (1. Mose 1,27).
Was Ehe ihrem Wesen nach ist, ist nirgendwo schöner und tiefer als im Epheserbrief gesagt (Eph. 5,22 ff.). Der Apostel Paulus sieht dort die eheliche Gemeinschaft zwischen Mann und Frau in Beziehung zu der Gemeinschaft zwischen Christus und seiner Gemeinde. Für den Apostel ist die eheliche" Gemeinschaft zwischen Christus und seiner Gemeinde das Urbild, in dem alle eheliche Gemeinschaft in der Welt ihr Abbild hat. So einzigartig ist die Ehe in ihrem Wesen wie die tiefe Beziehung Christi zu seiner Gemeinde. Dieses Geheimnis ist groß (Eph. 5,32).
Die Ehe ist Grundform der Menschlichkeit, die Wiederholung des Bundesverhältnisses zwischen Gott und Mensch im Gegenüber von Mann und Frau. Und in der Menschlichkeit Jesu ist Gott selbst des Menschen Mitmensch geworden, um ihn in der Hingabe seines Lebens aus seiner tödlichen Isolierung und Scheidung von Gott und seinem Nächsten zu befreien.
Die biblische Erkenntnis, dass die Ehe in Gottes nimmer aufhörendem ewigen Liebeswillen (1. Kor. 13) für sein Geschöpf ihren tiefsten Grund hat, kann nur bedeuten, dass sie niemals nur auf Zeit, sondern nur auf Dauer geschlossen werden kann.
Wenn der Mensch wie auch in anderen Fällen oft genug aus dieser Ordnung ausbricht, so liegt das nicht an Gottes guter Ordnung, sondern daran, dass der sündige Mensch die Freiheit hat, gegen die Gebote Gottes zu verstoßen.
Mit Rücksicht auf die Sünde, auf die Härte des Herzens wird es Scheidung geben. Aber der ehebrecherische Mensch sollte wissen, dass dies kein Weg in die Freiheit bedeutet, sondern Not und Gericht.
Die gute Ordnung Gottes kann nun nicht beliebig und guten Gewissens durch den Menschen ersetzt werden durch von ihm je nach dem Zeitgeist für gut gehaltene eigene Ordnungen. Wenn er es tut, kann er jedenfalls nicht verlangen, dass er ungeteilten Beifall findet.
Das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare und "Outing" mag gesellschaftlich "in" sein. aber kann Kirche segnen, was nicht Gottes Wille ist?
Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seinem Weibe hängen und sie werden ein Fleisch sein" (1. Mose 2, 24). Alle andere Ordnung ist nicht von Gott.
Kirche kann und darf sich nicht dazu hergeben, allem möglichen menschlichen Versagen, allen Irrungen und Verirrungen oder allem Fehlgesteuertsein den Segen Gottes zu erteilen, auch wenn die Rechtsordnungen der Welt sich entsprechend dem Zeitgeist ändern.
Dies heißt nicht, dass Gottes und die Liebe Christi nicht allen Menschen gilt und somit Diskriminierung ohnehin keines Christen Amt ist.
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.,
Regionalgruppe Braunschweig.
c/o Wolfgang Buchmeier
Ilsenburger Stieg 9
38667 Bad Harzburg
braunschweig@huk.org
Herrn
Landesbischof Krause
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1
Postfach 1664
38286 Wolfenbüttel
Bad Harzburg, 28. Januar 2001
Sehr geehrter Herr Bischof Krause,
zutiefst erschüttert nehme ich zur Kenntnis, dass ein Oberlandeskirchenrat unserer Landes-kirche, Herr Dr. Fischer, das zum Teil jahre- und jahrzehntelange Zusammenleben schwuler und lesbischer Paare als "Irrungen und Verirrungen oder ... Fehlgesteuertsein" be- bzw. verurteilt. Nicht anders kann ich seinen Gastkommentar im "Doppelpunkt 3/2000" des Marienstiftes verstehen. Seine Behauptung: "Alle andere Ordnung ist nicht von Gott", bezogen auf die heterosexuelle monogame Ehe, ist weder in irgendeiner Weise biblisch zu rechtfertigen noch ist sie menschlich oder persönlich von einem offiziellen Vertreter der evangelischen Kirche akzeptabel. Es ist theologisch hanebüchen und disqualifiziert ihren Verfasser selbst.
Dass Sie und das Landeskirchenamt eine solche zutiefst unbiblische und diskriminierende Äußerung kommentarlos durchgehen lassen, entsetzt mich.
Ich bedauere außerordentlich, dass scheinbar niemand den Mut hat, Sie und die Kirchenleitung auf die gesellschaftlichen Realitäten hinzuweisen. Ich zitiere die Worte des neuen Pressesprechers unserer Landeskirche aus den Evangelischen Kommentaren, Ausgabe 9/97: "Durch gesellschaftliche Veränderungen und gewandelte persönliche Einstellungen haben sich alternative Familienformen entwickelt, die zunehmend das Zusammenleben der Geschlechter prägen: Eineltern-Familien, homosexuelle Partnerschaften oder Ehen, in denen <Hausmänner> die Familienarbeit übernehmen. Gleichwohl ist dieser soziologische Befund vielen Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, aber auch in der Kirche, noch nicht in ausreichendem Maße bewußt geworden. Sie halten an überkommenen Vorstellungen fest, die der Wirklichkeit nicht mehr gerecht werden. Damit verhindern sie notwendige Reformen, vor allem in familienpolitischer und juristischer Hinsicht."
Ich verstehe, dass manch konservativer Kirchenmann nicht recht weiß, wie er mit dem für ihn vielleicht neuen und unverständlichen Phänomen der schwulen und lesbischen Partnerschaften umgehen soll. Unsicherheit im Umgang mit Lesben und Schwulen ist eine gesamt-gesellschaftliche Erscheinung. Sie lässt sich, christlich gesehen, nur abbauen durch das gemeinsame Gespräch und Gebet. Über schwule Christen und lesbische Christinnen zu sprechen, ist in unserer Gesellschaft und Kirche durchaus üblich. Stattdessen mit ihnen in einen Dialog einzutreten, sich gegenseitig kennen zu lernen und dabei Vorurteile ablegen zu lernen, wäre nach meinem Verständnis der christlichere Weg.
Als Braunschweiger Regionalgruppe der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche wollen wir Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne einladen zu diesem Gespräch.
Mit freundlichen Grüßen!
Wolfgang Buchmeier
EVANGELISCH-LUTHERISCHE
LANDESKIRCHE IN BRAUNSCHWEIG
Landeskirchenamt ~ Postfach 1664 ~ 38286 Wolfenbüttel
Ökumenische Arbeitsgruppe HUK e.V.
Regionalgruppe Braunschweig
Herrn Wolfgang Buchmeier
Ilsenburger Stieg 9
38667 Bad Harzburg
Wolfenbüttel, 07. Februar 2001
Ihr Ansprechpartner:
Oberlandeskirchenrat Dr. Fischer
Sehr geehrter Herr Buchmeier,
Herr Landesbischof Dr. h. c. Christian Krause hat einvernehmlich mit dem Kollegium des Landeskirchenamtes den Unterzeichneten gebeten, Ihren Brief vom 28. Januar 2001 an den Landesbischof zu beantworten.
Hierbei bitte ich um Verständnis, dass ich nicht dezidiert auf die offenkundig unterschiedlichen Auffassungen eingehen möchte und ich sehe mich dankenswerterweise auch nicht genötigt, mich rechtfertigen zu müssen.
Ich habe mir erlaubt, in einem von mir erbetenen Kommentar meine persönliche Auffassung unter anderem zum Thema Kirchliche Segnung für gleichgeschlechtliche Paare" so zu äußern, wie auch andere ihre Auffassung zu diesem strittigen Thema zu äußern berechtigt sind. Dabei habe ich nicht beansprucht, für die gesamte lutherische Landeskirche in Braunschweig zu sprechen.
Ich muß mich dabei allerdings dagegen verwahren, dass diese Auffassung von Ihnen als unbiblisch" und diskriminierend" bezeichnet wird. Im letzten Absatz des Kommentars trete ich ausdrücklich gegen jedwede Diskriminierung an. Im übrigen bemühe ich mich, den ganzen Kommentar hindurch um biblische Begründungen. Abgesehen davon habe ich den Eindruck, dass die übergroße Zahl der christlichen Kirchen in dieser Welt sich noch nicht auf eine kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verständigen kann.
Von daher werde ich mir Ihre Wertung eines theologisch hanebüchenen" Kommentars, der den Verfasser selbst disqualifiziere", nicht anziehen. Herr Landesbischof Krause sowie der neue Pressesprecher der Landeskirche, den Sie in Ihrem Schreiben zitieren, erhalten Abschrift dieses Schreibens.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Robert Fischer
Oberlandeskirchenrat
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.,
Regionalgruppe Braunschweig
c/o Wolfgang Buchmeier
Ilsenburger Stieg 9
38667 Bad Harzburg
braunschweig@huk.org
Herrn
Landesbischof Krause
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1
Postfach 1664
38286 Wolfenbüttel
Bad Harzburg, 22. Februar 2001
Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Krause!
Schade! Ich hatte ernsthaft gedacht, mein Bischof würde antworten, wenn ich ihm einen ernst gemeinten Brief schreibe. Vielleicht nicht er selber, denn ich weiß, er hat viel zu tun. Aber er hat einen persönlichen Referenten, einen Pressesprecher, einen Stellvertreter. Er hätte ja jemanden bitten können, in seinem Namen zu antworten. Nichts davon!
Ich bin in Bad Harzburg Mitglied des Kirchenvorstandes, arbeite seit Jahren in mancherlei Gruppen und Ausschüssen meiner Gemeinde mit, gehöre der Propsteisynode an, bin Gymnasiallehrer für evangelische Religion. Vor allem aber, ich bin Christ in dieser Landeskirche. Ich hatte ernsthaft gedacht, er würde antworten.
Ich hätte ja verstanden, wenn Sie sich zum Thema "Homosexualität" nicht allzu laut und allzu progressiv äußern wollten. Wenn Sie argumentiert hätten, Ihre höchst sensible Stellung als Präsident des Lutherischen Weltbundes verpflichte Sie zu einer zurückhaltenden Position in dieser Frage... Ich hätte Vieles nachvollziehen können. Aber nicht einmal zu antworten?
Denn der Brief, den ich aus Ihrem Hause erhalten habe, kann ja nicht als ernst zu nehmende Antwort gemeint gewesen sein. Sie können ja nicht ernsthaft denjenigen gebeten haben, mir zu antworten, den ich in meinem Brief an Sie kritisiert hatte. Und dann auch noch auf solch eine Weise. Denn ich unterstelle einfach, dass Sie mich weder beleidigen noch für dumm verkaufen wollten.
Oder sollte das tatsächlich der neue Stil in unserer Kirche sein? Der Bischof beauftragt denjenigen, über den eine Beschwerde eingegangen ist, mit der Antwort an den Beschwerdeführer? Der Stellvertreter des Bischofs wimmelt lästige Frager mit Lügen ab? Zur Erläuterung: Als Herr Oberlandeskirchenrat Kollmar vor über einem Jahr zum zentralen Einführungsgottesdienst für das neue Gottesdienstbuch in Bad Harzburg war, stellte Herr Propst Beyer mich ihm persönlich vor. Als ich ihn nach dem Gottesdienst fragte, warum er meine schriftlichen Fragen zum Thema Homosexualität nicht beantwortet habe, sagte er mir, er wolle dieses Gespräch nicht. Homosexualität sei in keiner Landeskirche der EKD mehr Thema. Und eine solche Aussage gut einen Monat vor der rheinischen Landessynode, die nach zwölf Jahren intensiver Auseinandersetzung im Januar 2000 die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschloss! Hat Herr Kollmar einfach keine Ahnung oder wollte er mich bewusst für dumm verkaufen? Warum lagern die Antworten der Gemeinden zum synodalen "Thesenpapier zu Fragen der Homosexualität", um die die Landessynode 1995 gebeten hatte, seit Jahren bei Herrn Kollmar unter Verschluss? Was ist das für eine Vorgehensweise in dieser Landeskirche?
Ihr Schweigen, sehr geehrter Herr Bischof, ist enttäuschend und verletzend. Ich sehe keine andere Möglichkeit als meinen Briefwechsel mit Ihnen bzw. mit Herrn Dr. Fischer zu veröffentlichen.
Mit freundlichen Grüßen!
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.,
Regionalgruppe Braunschweig.
c/o Wolfgang Buchmeier
Ilsenburger Stieg 9
38667 Bad Harzburg
braunschweig@huk.org
Herrn
Oberlandeskirchenrat Dr. Robert Fischer
Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1
Postfach 1664
38286 Wolfenbüttel
Sehr geehrter Herr Dr. Fischer!
Ihr Schreiben vom 07. 02. 2001 habe ich erhalten. Als private Ansicht eines Menschen, der sich mit evangelischer Theologie nicht beschäftigt, kann ich Ihre Meinung durchaus ertragen. Sie haben Recht, es gibt in unserer Gesellschaft eben unterschiedliche Sichtweisen zum Thema "Gleichgeschlechtliche Partnerschaften".
Anders verhält es sich jedoch, wenn Sie in Ihrer Funktion als Oberlandeskirchenrat auftreten, wie Sie es im "doppelpunkt" getan haben. Von einem Mitglied der Kirchenleitung, egal ob Theologe oder nicht, erwarte ich, dass er sich wenigstens in einem Mindestumfang sachkundig macht, bevor er sich öffentlich äußert. Da Sie in Ihrem Brief eine inhaltliche Auseinandersetzung bedauerlicherweise ablehnen, möchte ich Ihnen nur einen neueren Titel aus der wissenschaftlichen Literatur nennen, den zu studieren sich lohnt: Martin Steinhäuser, Homosexualität als Schöpfungserfahrung. Ein Beitrag zur theologischen Urteilsbegründung, Stuttgart 1998.
Gänzlich unerträglich und als persönlich beleidigend empfinde ich allerdings Ihre Aussagen: "Kirche kann und darf sich nicht dazu hergeben, allem möglichen menschlichen Versagen, allen Irrungen und Verirrungen oder allem Fehlgesteuertsein den Segen Gottes zu erteilen, auch wenn die Rechtsordnungen der Welt sich entsprechend dem Zeitgeist ändern. Dies heißt nicht, dass Gottes und die Liebe Christi nicht allen Menschen gilt und somit Diskriminierung ohnehin keines Christen Amt ist." Dies ist eine Form von Heuchelei, die eines Oberlandeskirchenrates wie auch jedes anderen Menschen schlicht unwürdig ist! Erst in übelster Weise gegen schwule Christen und lesbische Christinnen wettern und dann behaupten, dies sei aber nicht diskriminierend gemeint!
Mein Anliegen war nicht eine große öffentlichkeitswirksame Diskussion vom Zaune zu brechen. Dies haben Sie getan. Sie haben dabei meiner Meinung nach Ihr Amt missbraucht. Den anschließenden Briefwechsel mit Herrn Bischof Dr. Krause und Ihnen werde ich daher meinerseits öffentlich machen.
Hochachtungsvoll!
Wolfgang Buchmeier