HuK-Startseite

  CSD 2006 in Augsburg: Kein Gottesdienst in einer römisch-katholischen Kirche  

[Letzte Aktualisierung: 02.05.2006 ]

HuK-Startseite

Aktuelles

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. - Aktuelles

Gottesdienst zum CSD 2006 in Augsburg: Dokumentation eines Briefwechsels

Die folgenden Texte dokumentieren den Briefwechsel, der sich aus einer Anfrage ergeben hat, die zunächst wie eine Routine-Anfrage aussah: Ob anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in Augsburg 2006 wieder, wie in all den Jahren zuvor, ein ökumenischer Gottesdienst in der römisch-katholischen Kirche St. Moritz stattfinden könne. Die Briefe bzw. die Presserklärung sind auch als RTF- bzw. PDF-Dateien verfügbar (größerer Umfang, geben aber die Original-Briefe wieder):

Die Vorgänge sind auch auf den Webseiten der HuK-Regionalgruppe Augsburg geschildert. Dort ist insbesondere dokumentiert, welches Echo die Ereignisse in den örlichen Medien gefunden haben.

 

Anfrage des CSD-Ausschusses "Gottesdienst" beim Generalvikariat des Bistums Augsburg

CSD Augsburg
Wolfgang Burkhard, Beethovenstraße 15, 86356 Neusäß

Bischöfliches Ordinariat
Herrn Generalvikar Josef Heigl
Fronhof 4
86152 Augsburg

4. Februar 2006

Sehr geehrter Herr Generalvikar,

seit 1998 feiern Lesben und Schwule in Augsburg alljährlich den Christopher-Street-Day und seit 1999 gehört ein ökumenischer Gottesdienst zum festen Bestandteil dieses Tages. Bisher konnten wir den Gottesdienst immer mit je einem Geistlichen der katholischen und der evangelischen Kirche in St. Moritz feiern.

Die diesjährige Anfrage beim dortigen Pfarramt wurde leider negativ beschieden, weil es ein Verbot seitens des Ordinariats gibt.

Wir können nicht nachvollziehen, warum ein über Jahre gut angenommener Gottesdienst nun nicht mehr erlaubt sein soll und möchten Sie daher im Interesse der Gottesdienstbesucher bitten, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken

Gerne sind wir auch zu einem persönlichen Gespräch in dieser Angelegenheit bereit.

Jesus sagt, "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter Ihnen". Deshalb wird der Gottesdienst - unabhängig von Ihrer Entscheidung - auf jeden Fall stattfinden, notfalls dann eben in einer Kirche, in der wir willkommen sind.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Wolfgang Burkhard

 

Antwort des Generalvikars des Bistums Augsburg

Bischöfliches Ordiniariat Augsburg
Der Generalvikar
Augsburg, den 10.02.06
Unser Zeichen: FE 1288

CSD Augsburg
Herrn Wolfgang Burkhard
Beethovenstraße 15
86356 Neusäß

Gottesdienst zum Christopher-Street-Day in Augsburg
Ihr Schreiben vom 04.02.2006

Sehr geehrter Herr Burkhard,
Sehr geehrte Damen und Herren des Arbeitskreises Gottesdienst des CSD Augsburg,

Ihr o.g. Schreiben habe ich erhalten.

Es entspricht der Tatsache, dass wir dem Pfarrer von "St. Moritz" mitgeteilt haben, es dürfe kein Gottesdoenst mehr im Zusammenhang mit dem Christopher-Street-Day in St. Moritz gefeiert werden. Der Grund ist eine Entscheidung Roms, die der Bayerischen Bischofskonferenz mitgeteilt wurde.

Die Vorgeschichte dazu ist wohl, dass im vorigen Jahr von einem Mann aus unserem Bistum in Rom gegen die Diözese Augsburg Klage geführt wurde, weil wir in den zurückliegenden Jahren den Gottesdienst in St. Moritz erlaubt haben. Die Glaubenskongregation hat sich deshalb damit befasst und die Bayerische Bischofsakonferenz angewiesen, dafür zu sorgen, dass kein Gottesdienst in zeitlicher Nähe zum CSD gefeiert werde, damit unter keinen Umständen der Eindruck erweckt werde, die katholische Kirche würde eine homosexuelle oder lesbische Beziehung in irgendeiner Weise gut heißen.

Ihre Ankündigung, den Gottesdienst auf alle Fälle zu feiern, notfalls dann eben in einer Kirche, in der Sie willkommen sind, kann ich nur zur Kenntnis nehmen. Ich muss Sie aber darauf hinweisen, dass dieser Gottesdienst nicht in einer katholischen Kirche stattfinden kann.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Prälat Josef Heigl
Generalvikar

 

Pressemitteilung CSD Augsburg: Katholische Kirche verbietet CSD-Gottesdienst

Augsburg, 19.03.2006

Seit 1998 feiern Lesben und Schwule in Augsburg alljährlich den Christopher-Street-Day und seit 1999 gehört ein ökumenischer Gottesdienst zum festen Bestandteil dieses Tages. Bisher konnte der Gottesdienst immer mit je einem Geistlichen der katholischen und der evangelischen Kirche in der katholischen Innenstadtkirche St. Moritz gefeiert werden.

In der Pfarrei selbst wurden die Gottesdienste sogar ausdrücklich begrüßt. Konservative Kreise beschwerten sich immer wieder mal. Ein Teil der Beschwerden wurde sogar bis nach Rom getragen. In all den Jahren gab es aber nie Einwände seitens der Bistumsleitung.

Doch in diesem Jahr wurde die Anfrage der Veranstalter zurückgewiesen. Es dürfe keinen Gottesdienst in der zeitlichen Nähe zum CSD geben. Auf Nachfrage erklärte das Ordinariat, dass das Verbot auf ein Verfahren vor der römischen Glaubenskongregation zurückgehe. Es dürfe unter keinen Umständen der Eindruck erweckt werden, die katholische Kirche würde eine homosexuelle oder lesbische Beziehung in irgendeiner Weise gut heißen.

Dass das Gottesdienstverbot in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit der Wiederbesetzung des Stuhls des Hl. St. Ulrich erfolgt, ist für die Veranstalter des CSD kein Zufall. Man will aber auf keinen Fall klein beigeben. "Dann wird der Gottesdienst eben in einer Kirche stattfinden, in der wir willkommen sind", erklären die Verantwortlichen.

Herausgegeben von der Initiative CSD Augsburg
Verantwortlich i.S.d.P.: Wolfgang Burkhard, E-Mail: wolfgang@csd-augsburg de

 

Und wie ging es weiter?

Ende März 2006: Über die weitere Entwicklung informieren aktuell die Webseiten der HuK-Regionalgruppe Augsburg. Inzwischen (Ende März) war zu erfahren, dass der traditionelle ökumenische Gottesdienst zum CSD 2006 in der evangelischen Kirche St. Anna gefeiert wird, mit Zustimmung des zuständigen Regionalbischofs der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Am Gottesdienst beteiligen wird sich auch die Pfarrerin der alt-katholischen Gemeinde Augsburg.

24. April 2006: Überraschenderweise wurde das Thema, obwohl das Kirchen-Verbot schon länger bekannt und auf dieser Webseite seit Ende März 2006 dokumentiert ist, am 20./21. April verstärkt von den Medien aufgegriffen (kath.net, queer.de, spiegel.de, usw., siehe die Zusammenstellung auf den Webseiten der HuK-Regionalgruppe Augsburg) - obwohl weder die HuK noch die Initialive CSD Augsburg dies angestoßen hatten. Die HuK gab daraufhin am 21.4. gemeinsam mit dem LSVD eine Pressemitteilung heraus, in der das Verbot von Gottesdiensten zum CSD, das anscheinend mindestens bayernweit durchgesetzt werden soll, verurteilt wird. Das als rechtskonservativ bekannte Internet-Portal kath.net verbreitete am 21.4.2006 eine ausführlichere Darstellung aus der Sicht des bischöflichen Ordinariats Augaburg, die sich von der früher gegebenen Auskunft nicht unerheblich unterscheidet.

 

Offener Brief an Bischof Dr. Walter Mixa

Am 1.5.2006 gaben die Regionalgruppe Augsburg der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und die Initiative CSD Augsburg einen Offenen Brief an den Bischof der Diözese Augsburg heraus, der im Folgenden dokumentiert ist.

Offener Brief an den Bischof der Diözese Augsburg
verfasst von der Regionalgruppe Augsburg der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) und der Initiative CSD Augsburg

Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Walter Mixa,

wir stehen dem Verbot von Gottesdiensten zum Christopher Street Day (CSD) in Augsburg nach wie vor mit völligem Unverständnis gegenüber. Auf der Internetseite des Bistums Augsburg haben wir eine Erklärung gelesen, die Anlass zu Erläuterungen bzw. Richtigstellungen gibt.

Der CSD war und ist seit seinen Anfängen im Jahr 1969 in New York immer eine politische Veranstaltung gewesen, die auch von Feiern des "Wir-Gefühls" begleitet waren. Das war auch in Augsburg immer so. Die Aussage, der CSD sei in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem politischen Manifest geworden, stimmt einfach nicht.

Der Gottesdienst selbst war von Anfang an immer als Beginn des Tages und als integraler Bestandteil des CSD gedacht. Christen aller Konfessionen haben in dem Gottesdienst Gott gedankt, dass wir so sind wie wir sind, gemeinsam gebetet und gesungen und ihre Bitten vor den Altar des Herrn getragen. Politische Manifeste waren nie Bestandteil des Gottesdienstes und werden es auch künftig nicht sein. Sind nicht die Gotteshäuser dazu gebaut, dass alle Menschen in ihnen beten, singen und Gott danken?

Wie dem seelsorgerischen Anliegen in anderer Weise als in einem Gottesdienst entsprochen werden kann, ist uns absolut schleierhaft. An keinem anderen Tag des Jahres versammeln sich gleichzeitig so viele schwule und lesbische Christen in einem Gotteshaus wie beim CSD. In dem Gottesdienst geht es nicht vordergründig um an AIDS verstorbene Menschen.

Zudem ist die Unterstellung homosexuell = AIDS unzulässig. In seinem "Epidemiologisches Bulletin 2005, Sonderausgabe B" berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI) für das erste Halbjahr 2005 für Bayern 323 HIV-Neuinfektionen, von denen "nur" 146 schwulen Männern zuzuordnen sind. Die Berichte des RKI sind ja hoffentlich Konsens.

Vielleicht sollte man sich in Ihrem Ordinariat auch über einige Begriffe informieren, bevor man damit umgeht: Homosexuell bedeutet per Definition gleichgeschlechtlich. Im englischen Sprachraum hat sich der Begriff "gay" dafür eingebürgert. Dagegen bedeutet im Deutschen der Begriff "schwul" eine Beziehung zwischen Männern, "lesbisch" eine Beziehung zwischen Frauen. "homosexuelle und lesbische" ist also nicht zutreffend weil falsch.

Eine frühere Mitteilung des Ordinariats (Schreiben vom 20.2.06), wonach das Gottesdienstverbot auf eine Entscheidung der Glaubenskongregation zurückgehe, entspricht ja offensichtlich nicht den Tatsachen.

Einem Postulat von Siegmund Freud folgend, das zwischenzeitlich von renommierten Meinungsforschungsinstituten bestätigt wurde, sind in unserem Land etwa 5 – 10 % der Bevölkerung homosexuell. Also leben in Ihrem Bistum etwa 100.000 homosexuelle römisch-katholische Christinnen und Christen. Wollen Sie diese alle ins Abseits stellen? Und was ist mit den kirchlichen Mitarbeitern und Priestern?

Wir bieten der Bistumsleitung erneut ein persönliches Gespräch in dieser Sache an. Auf unserer Seite ist die Türe offen, auch wenn Sie uns die Türe auf Ihrer Seite vor der Nase zugeschlagen haben.

Diese Email geht auch an den Apostolischen Stuhl, die Vorsitzenden der Deutschen und der Freisinger Bischofskonferenz sowie an die Medien.

Mit freundlichen Grüßen

gez. Wolfgang Burkhard

Wolfgang Burkhard
Beethovenstraße 15
86356 Neusäß
Telefon: 0821 / 4865070
Fax: 0821 / 4863270
E-Mail: wolfgang@csd-augsburg.de
für die
HuK Regionalgruppe Augsburg ( www.huk.org/regional/augsburg)
und die
Initiative CSD Augsburg (www.csd-augsburg.de)