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Offene Briefe zur Situation in Osteuropa |
[Letzte Aktualisierung: 10.06.2006 ] |
Die Ereignisse im Frühsommer 2006 in Moskau und Warschau, denen öfters homophobe Äußerungen auch aus kirchlichen Kreisen vorausgegangen waren, haben den Bundesvorstand der HuK veranlasst, sich trotz der bestehenden Differenzen zu amtskirchlichen Ausagen an Kirchenführer der römisch-katholischen Kirche und des Weltkirchenrats (und damit auch seiner russisch-orthodoxen Mitgliedskirche) zu wenden.
Die im Inhalt ähnlichen, z.T. auch in den Formulierungen identischen Briefe sind hier dokumentiert.
Arnsberg, den 01. Juni 2006
An Seine Heiligkeit
Papst Benedikt XVI.
SCV-00120 Città del Vaticano
Sehr geehrter Bruder Benedikt im Papstamt,
mit Entsetzen haben wir erfahren, dass am Samstag, 27. Mai 2006 in Moskau Homosexuelle auf offener Straße von Schlägertrupps zusammengeschlagen wurden. Fast zeitgleich sind Sie bei Ihrem Besuch in Polen dafür eingetreten, dass Minderheiten nicht mit Gewalt begegnet werden darf.
Mit großer Sorge blicken wir nach Warschau, wo am 10. Juni eine Demonstration für Menschenrechte stattfinden soll, zu der u. a. die Kampagne gegen Homophobie aufgerufen hat. Auch hier sind brutale Übergriffe auf die versammelten Demonstranten, zumeist Lesben und Schwule, zu erwarten, denn im Vorfeld hat u. a. Wojciech Wierzejski, der Vizevorsitzende der Regierungspartei Liga polnischer Familien (Liga Polskich Rodzin) dazu aufgerufen. Er sagte, Lesben und Schwule sollten mit Knüppeln gejagt werden, wenn sie sich wieder versammeln sollten.
Bereits im vergangenen Jahr hat es bei verschiedenen friedlichen Demonstrationen in Polen zahlreiche Verletzte durch gewalttätige Gegendemonstranten gegeben.
Wir wissen um den großen Einfluss der römisch-katholischen Kirche in Polen,
doch wir befürchten, sie
könnte als geistiger Brandstifter angesehen werden, wenn sie zu den
gewalttätigen Übergriffen
schweigt und Gewaltaufrufe nicht zurückweist.
Das Schweigen der Kirche kann von den Tätern leicht als billigende Zustimmung
verstanden werden.
Wir appellieren daher an Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen und die Aufrufe zur Gewalt gegen Lesben und Schwule zu verurteilen.
Wir wissen, dass sich unsere Sicht der Homosexualität von der der römisch-katholischen Amtskirche unterscheidet. Dennoch wenden wir uns an Sie, da die Verlautbarungen der letzten Jahre stets einer Diskriminierung widersprochen und eine gewalttätige Verfolgung abgelehnt haben.
Wir bleiben in der Hoffnung, Gewalt vermeiden und so eine Basis für eine sachliche Auseinandersetzung schaffen zu können.
Hochachtungsvoll
Für die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche
Thomas Wunsch
Mitglied des Vorstandes der Ökum. Arbeitsgruppe
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.
Arnsberg, den 01. Juni 2006
An den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz
Herrn Karl Kardinal Lehmann
Postfach 2952
53019 Bonn
Sehr geehrter Herr Kardinal Lehmann,
mit Entsetzen haben wir erfahren, dass am Samstag, 27. Mai 2006 in Moskau Homosexuelle auf offener Straße von Schlägertrupps zusammengeschlagen wurden. Fast zeitgleich Fast zeitgleich ist Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Polen dafür eingetreten, dass Minderheiten nicht mit Gewalt begegnet werden darf.
Mit großer Sorge blicken wir nach Warschau, wo am 10. Juni eine Demonstration
für Menschenrechte
stattfinden soll, zu der u. a. die Kampagne gegen Homophobie aufgerufen hat.
Auch hier sind brutale
Übergriffe auf die versammelten Demonstranten, zumeist Lesben und Schwule,
zu erwarten, denn im
Vorfeld hat u. a. Wojciech Wierzejski, der Vizevorsitzende der Regierungspartei
Liga polnischer
Familien (Liga Polskich Rodzin) dazu aufgerufen. Er sagte, Lesben und Schwule
sollten mit Knüppeln
gejagt werden, wenn sie sich wieder versammeln sollten.
Bereits im vergangenen Jahr hat es bei verschiedenen friedlichen Demonstrationen in Polen
zahlreiche Verletzte durch gewalttätige Gegendemonstranten gegeben.
Wir wissen um den großen Einfluss der römisch-katholischen Kirche in Polen,
doch wir befürchten, sie
könnte als geistiger Brandstifter angesehen werden, wenn sie zu den
gewalttätigen Übergriffen
schweigt und Gewaltaufrufe nicht zurückweist.
Das Schweigen der Kirche kann von den Tätern leicht als billigende Zustimmung
verstanden werden.
Wir wissen um den großen Einfluss der römisch-katholischen Kirche in Polen,
doch wir befürchten, sie
könnte als geistiger Brandstifter angesehen werden, wenn sie zu den
gewalttätigen Übergriffen
schweigt und Gewaltaufrufe nicht zurückweist.
Das Schweigen der Kirche kann von den Tätern leicht als billigende Zustimmung
verstanden werden.
Wir appellieren daher an Sie, Ihren Einfluss geltend zu machen und die Aufrufe zur Gewalt gegen Lesben und Schwule zu verurteilen.
Wir wissen, dass sich unsere Sicht der Homosexualität von der der römisch-katholischen Amtskirche unterscheidet. Dennoch wenden wir uns an Sie, da die Verlautbarungen der letzten Jahre stets einer Diskriminierung widersprochen und eine gewalttätige Verfolgung abgelehnt haben.
Wir bleiben in der Hoffnung, Gewalt vermeiden und so eine Basis für eine sachliche Auseinandersetzung schaffen zu können.
Hochachtungsvoll
Für die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche
Thomas Wunsch
Mitglied des Vorstandes der Ökum. Arbeitsgruppe
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.
Da der Brief an die polnische Bischofskonferenz inhaltlich und auch in den Formulierungen genau dem an die deutsche Bischofskonferenz (siehe oben) entspricht, geben wir hier den polnischen Text wieder, mit der Bitte, eventuelle Fehler in der Übersetzung oder der Wiedergabe zu entschuldigen.
6 czerwca 2006
Sekretarz Generalny Konferencji Episkopatu Polski
Biskup Piotr LIBERA
Skwer Ks. Kard. Stefana Wyszynskiego 6
PL-01-015 Warszawa
Do Episkopatu Polski,
z oburzeniem przyjelismy fakt, ze w sobote, 27 maja br., osoby homoseksualne zostaly pobite przez grupy ekstremistów na ulicach Moskwy. Prawie w tym samym czasie Papiez Benedykt XVI w czasie swojej wizyty w Polsce sprzeciwil sie uzywaniu przemocy wobec jakichkolwiek grup mniejszosciowych.
Z duza troska obserwujemy sytuacje w Warszawie, gdzie na 10 czerwca br. zaplanowano demonstracje w obronie praw czlowieka, do udzialu w której wezwalo miedzy innymi stowarzyszenie Kampania przeciwko Homofobii. Równiez podczas tego wydarzenia moze dojsc do brutalnych napadów na demonstrantów, w tym przede wszystkim na gejów i lejsbijki, do czego wzywal m.in. posel Wojciech Wierzejski, wiceprzewodniczacy rzadzacej partii Liga Polskich Rodzin. Jego zdaniem gejów i lesbijki powinno sie bic palami, jesli znowóz odwaza sie demonstrowac na ulicy. Warto przy tym wspomniec, iz w ostatnich latach w Polsce wielu uczestników pokojowych demonstracji zostalo rannych ze strony atakujacych ich kontrdemonstrantów.
Majac swiadomosc olbrzymiej rolii Kosciola Rzymskokatolickiego w Polsce, obawiamy sie, ze w kontekscie braku reakcji wobec nawolywania do uzycia przemocy móglby on zostac uznany za duchowego podrzegacza wspomnianych wydarzen. Milczenie Kosciola moze byc uzanane przez wielu za swiadectwo przyzwolenia na takie praktyki. Z tego wzgledu apelujemy o jednoznaczna ocene takich publicznych wypowiedzi i o wyrazne zdystansowanie sie przedstawicieli Kosciola wobec osób uzywajacych przemocy.
Wiemy, ze nasze stanowisko odnosnie zjawiska homoseksualizmu rózni sie od oficjalnych pogladów Kosciola Rzymskokatolickiego. Tym niemniej zwracamy sie do Episkopatu Polski, gdyz ostatnie dokumenty Watykanu na ten temat kategorycznie odrzucaja jakakolwiek dyskryminacje czy uzywanie przemocy.
Pozostajemy z nadzieja, ze uda nam sie wspólnie zapobiec aktom przemocy i stworzyc jednoczesnie pole do rzeczowej dyskusji na temat homoseksualizmu.
Z wyrazami szacunku
Thomas Wunsch
w imieniu Ekumenicznej Grupy Homoseksualisci i Kosciól
(Mitglied des Vorstandes der Ökum. Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.)
Arnsberg, den 01. Juni 2006
An den Generalsekretär
des Ökumenischen Rats der Kirchen (World Council of Churches)
Herrn Dr. Samuel Kobia
150, Route de Ferney
Postfach 2100
CH-1211 Genf 2
Schweiz
Sehr geehrter Herr Dr. Kobia,
mit Entsetzen haben wir erfahren, dass am Samstag, 27. Mai 2006 in Moskau
Homosexuelle auf
offener Straße von Schlägertrupps zusammengeschlagen wurden.
Laut Zeitungsmeldungen und dem
Augenzeugenbericht des deutschen Bundestagsabgeordneten Volker Beck
hat die Polizei dabei tatenlos zugesehen.
Vorausgegangen sind diesen Exzessen wiederholt Äußerungen von
Geistlichen der Russisch-orthodoxen Kirche (u.a. Priester Igor Artemow
und dem Leiter des Moskauer Patriarchats, Metropolit
Kyrill), die nicht nur Homosexualität pauschal als zum Tod führende
Sünde geißelten, sondern auch
Gläubige zu den Gewalttaten ermutigten.
Die Russisch-orthodoxe Kirche hat als Vollmitglied des ÖRK dessen Basis unterzeichnet. Wir fordern den ÖRK auf, die Russisch-orthodoxe Kirche daran zu erinnern, dass auch sie in dieser Basis ihren Willen bekundet, "ihrer Verpflichtung zur diakonia Ausdruck zu verleihen, indem sie Menschen in Not" dient, "die die Menschen trennenden Schranken" niederreißt, das Zusammenleben aller (!) Menschen in Gerechtigkeit und Frieden" fördert.
Die Russisch-orthodoxe Kirche und der ÖRK verstoßen gegen ihr eigenes Bekenntnis, wenn sie jetzt zu den Angriffen auf friedliche Menschen schweigen. Sie machen sich der unterlassenen Hilfeleistung an Mitgliedern einer Minderheit schuldig, die nicht selten ihren christlichen (und in Russland oft auch orthodoxen) Glauben teilt.
Die Russisch-orthodoxe Kirche und der ÖRK verstoßen gegen ihr eigenes Bekenntnis, wenn sie jetzt zu den Angriffen auf friedliche Menschen schweigen. Sie machen sich der unterlassenen Hilfeleistung an Mitgliedern einer Minderheit schuldig, die nicht selten ihren christlichen (und in Russland oft auch orthodoxen) Glauben teilt.
Viele von uns gehören Mitgliedskirchen des ÖRK an. Wir bitten den ÖRK daher um seine öffentliche Solidarität und seine Gebete für Menschen, die nur wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden - und oft unseren christlichen Glauben teilen.
Mit geschwisterlichen und doch besorgten Grüßen
Für die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche
Thomas Wunsch
Mitglied des Vorstandes der Ökum. Arbeitsgruppe
Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.
Für weitere Informationen steht zur Verfügung:
Thomas Wunsch (HuK-Vorstand)
Tel. 0162 / 9638657
Email
thomas.wunsch@huk.org
Dr. Reinhold Weicker, HuK-Pressesprecher
Tel. 05251 / 66018
Email
presse@huk.org