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Pressemitteilung (29.05.2000) |
[Letzte Aktualisierung: 23.04.2002 ] |
Die Ökumenische Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche" (HuK) e.V. weist die Kritik des Vatikan am World Gay Pride-Treffen Anfang Juli in Rom als ungerechtfertigt und vorurteilsbeladen zurück. Dieses weltweite Treffen von Lesben und Schwulen ist keinesfalls ein Angriff auf die Kirche. Auch wird mit einem Treffen in Rom keineswegs die "besondere Bedeutung Roms für die katholische Kirche" beeinträchtigt. Die HuK zeigt sich enttäuscht von der Haltung des italienischen Regierungschefs Guiliano Amato, der sich bei einer Parlamentsdebatte bedauernd über die fehlende gesetzliche Möglichkeit äußerte, das Treffen zu untersagen. Sie fordert die Bundesregierung auf, sich bei der römischen Regierung für einen Verzicht jeglicher Einschränkung der Veranstaltungen zum World Gay Pride einzusetzen. Dazu verweist sie auf den Beschluß des Europäischen Parlamentes, der ausdrücklich jegliche Diskriminierung von Lesben und Schwulen untersagt.
Anfang Juli soll in Rom ein umfassendes Programm anläßlich des World Gay Pride stattfinden. Es beinhaltet ein Angebot von politischen und religiösen Diskussionen, kulturelle Veranstaltungen, verschiedene Festivitäten und eine große Parade. Mit dem World Gay Pride soll an die erste Zurwehrsetzung von Schwulen und Lesben gegen staatliche Willkür im Juli 1969 in New York erinnert werden, die Geburtsstunde der modernen Lesben- und Schwulenbewegung. Alljährlich wird in vielen Städten der sogenannte Christopher-Street-Day gefeiert, darunter der World Gay Pride als weltweite Feier an wechselnden Orten.
In einer Fragestunde des Parlamentes hatte sich in der vergangenen Woche Amato gegen die Veranstaltung ausgesprochen, die "im Heiligen Jahr nicht opportun" sei. Die Verfassung setze "leider" Grenzen, so dass sie von den Behörden nicht verboten werden könne. Lediglich seien Auflagen möglich, um Gesetzesverletzungen zu unterbinden. Den Äußerungen des Regierungschefs waren Forderungen von Mitgliedern der rechten Opposition vorausgegangen, die eine Verschiebung um ein Jahr forderten, was einem Verbot der Veranstaltung gleichkäme.
Die HuK äußert sich bestürzt über die Haltung Amatos, der offensichtlich die Aufforderung des Europäischen Parlamentes zum Abbau der Diskriminierung von Schwulen und Lesben nicht beachtet. Daher fordert sie Bundesaußenminister Fischer und die gesamte Bundesregierung auf, sich für einen Verzicht von einschränkenden Maßnahmen gegen die Veranstaltungen zum World Gay Pride einzusetzen.
Gleichzeitig verurteilt die HuK die aggressive Stimmungsmache des Vatikans gegen das Treffen der Schwulen und Lesben in Rom. Unter Verweis auf das Konkordat hatte Kardinal-Staatssekretär Sodano bereits im Januar vor dem Treffen in Rom gewarnt. Der "Osservatore Romano" bezeichnete das Treffen als "erklärtermaßen kirchenfeindlich" und warnte vor Attacken auf den Papst und die Kirche. Noch weiter ging Erzbischof Comastri, der Beauftragte der Italienischen Bischofskonferenz für das Heilige Jahr, der dieses Treffen als grundsätzlich inopportun bezeichnete, da von dem Treffen eine Verwirrung der Gewissen ausginge.
Die HuK erklärt dazu, dass es nicht verwunderlich sei, wenn kritische Äußerungen gegenüber der Kirche bei dem Treffen geäußert würden, da sie immer wieder der Diskriminierung von Schwulen und Lesben das Wort redet. Eine Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Anliegen der weltweiten Schwulen- und Lesbenbewegung im christlichen Geiste sei gerade von der römischen Kurie nicht zu bemerken. Stattdessen wird mit unchristlicher Kälte über die ihr Recht auf Liebe fordernden Lesben und Schwulen der Stab gebrochen. Diese Haltung hat unter anderem ihre Ursache darin, dass die römische Kurie und viele andere Kirchenobere immer noch nicht bereit sind, die Erkenntnisse der humanwissenschaftlichen Forschungen über Homosexualität auch nur zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn Folgerungen für die eigene Haltung herzuleiten.
Die HuK erwartet für den in dieser Woche in Hamburg stattfindenden Katholikentag eine rege Auseinandersetzung nicht nur mit Menschen aus den Gemeinden sondern auch mit Amtsträgern und Vertretern der Deutschen Bischofskonferenz. Dabei wird wie schon in den vergangenen Jahren eine Unterstützung der Forderung nach Änderung der moralischen Beurteilung Homosexueller zu verzeichnen sein.
Nachdem dieses Jahr die HuK erstmals offiziell an der Programmgestaltung mitwirken konnte erhofft sie sich für die kommende Zeit eine wachsende Bereitschaft zur offenen Diskussion der kirchlichen Bewertung von Homosexualität und homosexuellen Partnerschaften. Daneben ist die Frage des Umgangs mit AIDS-Betroffenen ein Schwerpunktthema der Veranstaltungen der HuK in Hamburg.
Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Thomas Wunsch, Pressesprecher der HuK
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