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  Pressemitteilung (01.08.2003)  

[Letzte Aktualisierung: 01.12.2009]

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Presse

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.

Pressemitteilung (01.08.2003)


Presseerklärung
der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche HuK e.V.

zum Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre zu homosexuellen Lebensgemeinschaften

Durch das Dokument zeigt die römisch-katholische Amtskirche, dass sie immer noch nicht bereit ist, die humanwissenschaftlichen Forschungsergebnisse der letzten hundert Jahre zum Phänomen Homosexualität zur Kenntnis zu nehmen.
Darüber hinaus missachten die Verfasser die Ergebnisse der neuzeitlichen moraltheologischen Wissenschaft, insbesondere zum Begriff der menschlichen Natur. Sie benutzen einen verwaschenen Begriff von "natürlich" oder "naturgesetzlich", um ihre Vorurteile wiederum als "Lehre der Kirche" glauben bezeichnen zu können.
Unreflektiert werden die alten Irrtümer wiederholt und mit Hinweis auf die eigenen früheren Aussagen "begründet".

Die wiederholte Behauptung, die gesetzliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften, in denen Menschen gegenseitig Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen, gefährde die christliche und bürgerliche Ehe, ist abwegig.

Aufgabe der Kirche, die sich auf Jesus Christus bezieht, wäre es, Menschen bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit, zu der auch die der sexuellen Identität gehört, zu helfen. Hier versagt die römisch-katholische Amtskirche in unverantwortlicher Weise. Eine solche Haltung ist sündhaft, nicht die gegenseitige liebende Zuwendung von Menschen gleichen Geschlechts.

Die römisch-katholische Amtskirche ist aufgefordert, ihre Haltung zur menschlichen Sexualität überhaupt zu überdenken und zu revidieren. Sie muss endlich umdenken und Buße tun.

In keiner Weise zu akzeptieren ist die anmaßende Aufforderung an katholische Politiker, sich den Bemühungen um Antidiskriminierung und rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften im staatlichen Bereich zu widersetzen. Hier wird ein Herrschaftsanspruch deutlich, den man von der "Heiligen Inquisition" zwar gewohnt ist, der aber schärfstens zurückzuweisen ist.

Hierbei wird klar, dass alle Formulierungen, wie die, Homosexuelle seien zu respektieren, scheinheilig die Aufrechterhaltung der Diskriminierung verbergen sollen.
Auf das angebotene "Mitleid" können Lesben und Schwule gern verzichten.

Berlin, Freiburg, Koblenz, Leiwen, Schlotheim
den 01.08.2003
Der HuK-Vorstand

Gemeinsame Presseerklärung

des Netzwerkes Katholischer Lesben (NkaL)
und
der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche HuK e.V.

Im NkaL und in der HuK vernetzen sich bundesweit christliche Frauen und Männer, sowie christliche Gruppen, die als Lesben und Schwule und für diese u.a. in der katholischen Kirche für ihre Rechte eintreten.

In ihrem Dokument "Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen" verletzt und diskriminiert die Katholische Kirche erneut lesbische und schwule Menschen.
Das Netzwerk katholischer Lesben (NkaL) und die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche HuK e.V. prangert diese Diskriminierung als nicht vereinbar mit dem Leben und der Lehre Jesu an.

Im neusten Dokument der römischen Glaubenskongregation werden seit Langem bekannte Lehren der Katholischen Kirche zu Homosexualität wiedergegeben. Dabei fehlt die Rezeption der neueren exegetischen und humanwissenschaftlichen Erkenntnisse, wie sie z. B. im "Lexikon für Theologie und Kirche" dargestellt werden. Das Ziel ist es, Bischöfen und katholischen Politikerinnen und Politikern Leitlinien und Orientierungshilfen zu geben, um entschieden gegen eine rechtliche Anerkennung von homosexuellen Partnerschaften einzutreten.

Das Netzwerk katholischer Lesben und die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche HuK e.V. fordern dagegen,

Die beiden Gruppen fordern die Katholische Kirche auf, in einen gleichberechtigten Dialog zu treten über die Gefährdungen von Grundwerten.
Sie fordern die Verantwortlichen auf, nicht gegen eine Minderheit zu polarisieren, sondern die Krise von Ehe und Familie ernst zu nehmen und in die Diskussion über Lebensformen, die dem Leben dienen, einzutreten.
NkaL und HuK erleben lesbische und schwule Lebensgemeinschaften positiv und als wertvollen Beitrag zu einer Gesellschaft, wo immer weniger Menschen sich binden und Verantwortung übernehmen.

Aus Sicht vom NkaL und der HuK können Lesben und Schwule keine Ehe eingehen. Der Begriff der Ehe ist auf heterosexuelle Lebensgemeinschaften bezogen. Jedoch widersprechen Nkal und HuK dem römischen Dokument, wo es davon spricht, das homosexuelle Lebensgemeinschaften "auch nicht in einem weiteren analogen Sinn die Aufgaben, deretwegen Ehe und Familie eine eigene qualifizierte Anerkennung verdienen", erfüllen können.
Wer davon spricht, dass die "gegenseitige personale Hingabe" nur in der heterosexuellen Ehegemeinschaft geschieht, hat keinen Bezug zu lesbischen und schwulen Realitäten. Wer von einer Vergewaltigung von Kindern spricht, wo sie in homosexuellen Lebensgemeinschaften aufwachsen, stellt eine lebensfremde Ideologie über die Verantwortungsbereitschaft von erwachsenen Menschen und das Wohl von Kindern.

NkaL und HuK sehen die Würde der Ehe und somit die Zeichenhaftigkeit dieses Bundes für den "Bund Christi mit der Kirche" nicht in der Bezogenheit der Geschlechter aufeinander und in der Beschränkung auf die Weitergabe des biologischen Lebens. Sie beziehen sich auf die Aussagen des II. Vatikanischen Konzils, wo die Mitte und der "Zweck" der Ehe in der gegenseitigen Liebe der Eheleute gesehen wird.
Den Kern des "Bundes Gottes mit den Menschen in Jesus Christus" sehen sie in der Liebesbotschaft Jesu vom gegenwärtigen Gott.
Dieser Liebe Gottes zu den Menschen Ausdruck zu verleihen, sind hetero- wie homosexuelle Menschen gleichermassen berufen.

Die Weitergabe des menschlichen Lebens beschränkt sich nicht nur auf Zeugung und Geburt. Leben wächst und gelingt, wo Menschen in ganzheitlichen, auf das gegenseitige Wohl angelegten und verantworteten Liebesbeziehungen aufwachsen.

Das römische Dokument bleibt wie schon früher Begründungen schuldig, weshalb homosexuelle Gemeinschaften eine Bedrohung für Ehe und Familie darstellen. Es schürt Ängste mit der Behauptung, dass durch rechtliche Regelungen für homosexuelle Partnerschaften das Gemeinwohl Schaden nehme und andere Rechtsgüter gefährdet seien, bis dahin, dass die "Fundamente der gesellschaftlichen Ordnung" untergraben würden. Das vatikanische Dokument ist ein Dokument der Angst und Furcht, die sich als unbewußte Homophobie in grausamer Weise gegen Lesben und Schwule wendet.
Nicht Lesben und Schwule gefährden das Gemeinwohl, sondern römische Herren, die sich gegen Liebe, Verantwortung, Zusammenhalt und Solidarität stellen.

Aus römischer Sicht sollen homosexuelle Menschen ihre Ansprüche auf persönliche und bürgerliche Rechte ohne gesetzliche Anerkennung verwirklichen.
Gefordert wird hier wiederum das Sich-Verbiegen und -Verstecken homosexueller Menschen. Das Leben von Lesben und Schwulen soll wieder in die Privatsphäre und in die Individualseelsorge abgeschoben werden.

NkaL und HuK fordern dagegen, dass Lesben und Schwule sich mit ihren Lebensentwürfen und Lebensgemeinschaften in Gesellschaft und Kirche einbringen dürfen und können.
Dafür braucht es klare rechtliche Regelungen und keine Kündigungen!


Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:

HuK-Bundesvorstand
Hermann Assies
Am Vogelbach 9
79110 Freiburg
Tel. (0761) 8818745
Email hermann@huk.org