HuK Startseite

  Zur Bischofssynode in Rom  

[Letzte Aktualisierung: 05.10.2008]

HuK-Startseite

Presse

Pressemitteilung der christlichen Lesben- und Schwulengruppen Deutschlands zur Bischofssynode in Rom

Was hast Du meinem Bruder getan?

Christliche Lesben und Schwule Deutschlands zur Bischofssynode in Rom

Es geht nicht um Begriffe, es geht um Personen

"Was hast Du Deinem Bruder getan?" - Mit dieser Frage beginnt ein Offener Brief der Gruppe "David und Jonathan" in Frankreich, den sie aus Anlass der Bischofsssynode der römisch-katholischen Kirche in Rom (5. bis 26. Oktober 2008) verfasst hat. Die christlichen Lesben- und Schwulengruppen Deutschlands, die sich am Wochenende 2.-5.10.2008 zu ihrem zweiten Vernetzungskongress getroffen haben, haben am 5.10. diesem Offenen Brief zugestimmt.

----------------------------------------------------------------------

Was hast Du Deinem Bruder getan?

Die katholische Kirche bereitet sich auf eine Weltsynode ihrer Bischöfe über das Wort Gottes vor. Als Christinnen/Christen wie als Schwule und Lesben betrifft uns diese Debatte. Die Bibel wird häufig dazu benutzt, Verdammungen und andere Verbote zu rechtfertigen, die uns betreffen. Bei seinem kürzlich in Paris gehaltenen Vortrag im Collège des Bernardins hat Papst Benedikt XVI. die Gefahren einer fundamentalistischen Auslegung der Bibel unterstrichen. Ihm zufolge muss jede Generation aufs Neue ihre kollektive Interpretation des Textes finden. Für diese Aufgabe der Interpretation, die niemals völlig abgeschlossen werden kann, haben wir in unserer Epoche mit den Sozialwissenschaften neue Methoden und Werkzeuge entwickelt, doch der Vatikan weigert sich, diese neuen Werkzeuge zu benutzen, weil sie unabweisbar irritierende Fragen aufwerfen. Die Homosexualität ist hier exemplarisch. Bei dem, was in Rom als Naturgesetz verkündet wird, müssten eigentlich nur die Ergebnisse der anthropologischen Forschung berücksichtigt werden.

Für eine Religion der Inkarnation ist es ein Paradox, wenn sie nur Ideen vertritt, die aus Begriffen abgeleitet werden. Die Frage ist nicht die Homosexualität, sondern schwule und lesbische Personen, die zuerst und vor allem Männer und Frauen, Brüder und Schwestern durch unseren himmlischen Vater sind. Wir sollten eine Person nicht auf eines ihrer Verhaltensmuster reduzieren. Gleichzeitig so zu tun, als ob wir diese Person lieben würden, während wir einen essentiellen Teil ihrer Persönlichkeit ausgrenzen, ist eine Lüge. Wie geschiedene Personen, weisen Schwule und Lesben es zurück, sich amputieren zu lassen, um geliebt zu werden. Als Jesus zu der Ehebrecherin oder zu der Samaritanerin sprach, liebte er sie, wie sie waren, ohne Herablassung und Verstellung. Vergeblich würde man in seiner Lehre nach Spuren der Obsession für die Sexualität suchen, die wir bei vielen religiösen Männern unserer Zeit finden.

Weil wir glauben und erfahren haben, dass das Evangelium in unserem Leben als Männer und Frauen eine Gute Nachricht sein kann, ist es für uns wichtig, diese Wahrheit zu teilen. An unserem einzigartigen Platz als Christinnen/Christen und als Schwule oder Lesben haben wir die besondere Pflicht zur Solidarität mit beiden Seiten. Den Gläubigen, denen unsere Existenz missfällt, möchten wir sagen, dass die letzte Bedeutung unserer "Differenz" uns ebenso unbekannt ist wie ihnen. Vielleicht wollte der Schöpfer uns, die einen wie die anderen, im vorhinein gegen jegliche Selbstgefälligkeit schützen? Den Schwulen und Lesben, insbesondere denen, die durch Religionen - unsere eigene eingeschlossen - verfolgt, beschimpft oder ausgeschlossen werden, möchten wir erklären, dass sie Würde besitzen und das Recht auf Respekt. Wenn es nötig ist, für diese Würde und dieses Recht auf Respekt zu kämpfen, werden wir auf ihrer Seite stehen.

Als Benedikt XVI. sagte, dass niemand von der katholischen Kirche ausgeschlossen wird und dass jeder Mensch seinen Platz in der Kirche finden solle, hatte er die Fundamentalisten und Traditionalisten im Blick, die hoffen, dass sich in Liturgie und Sittenlehre nichts ändert. Es erscheint uns aber gerechtfertigt, ihn beim Wort zu nehmen und ihn kritisch wegen der selektiven Ausgrenzungen zu befragen, zu denen er selbst in seiner Rede ermuntert hat. Die symphonische Interpretation des Wortes Gottes, als deren Sänger er sich erklärt hat, sollte er dringend in die Tat umsetzen. Wir zumindest glauben, wenn wir unser Leben und die Schrift aufeinander beziehen, dass der Geist auch durch unsere Stimmen singt.

David und Jonathan, Frankreich (September 2008)
Christliche Lesben- und Schwulengruppen Deutschlands, Bielefeld (Oktober 2008)

-----------------------------------------------------------------

Für weitere Informationen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Michael Brinkschröder (für den Vernetzungskongress)
Tel. 089/65102063
Email michael.brinkschroeder@web.de

Dr. Reinhold Weicker (HuK-Pressesprecher)
Tel. 05251 / 66018
Email presse@huk.org