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Pressemitteilung (Nov. 1998) |
[Letzte Aktualisierung: 23.04.2002 ] |
Die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V.
verurteilt die stereotype Wiederholung der alten Floskeln bei der Beurteilung nichtehelicher
und gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Mit dem Aufbau von Feindbildern durch
Schürung irrationaler Ängste wird eine den Menschen gerechte Auseinandersetzung
über alternative Lebensformen innerhalb der Gemeinden behindert.
Die Bischöfe verweigern sich einer sachlichen Auseinandersetzung. Sie verhindern die
notwendige Berücksichtigung sich ändernder Lebensbedingungen in der Gemeindepastoral.
Entgegen humanwissenschaftlichen und auch neuen theologischen Erkenntnissen mißachten sie
bei ihrer Beurteilung von homosexuellen Partnerschaftenschaften die in der Natur des Menschen
liegende unterschiedliche sexuelle Orientierung.
Die Vorstellung des Bischofswortes Ehe und Familie - in guter Gesellschaft in
Berlin wird vom Vorstand der HuK kritisch beurteilt. Sobald der gesamte Text bekannt ist, wird
eine inhaltliche Beurteilung folgen.
Die Aussagen von Bischof Karl Lehmann und Kardinal Georg Sterzinsky weisen jedoch auf eine
bloße Wiederholung der altbekannten einseitigen Bewertungen alternativer Lebensformen
hin. Die in der Vergangenheit wiederholt aufgeworfenen Fragen nach den tatsächlichen
Gefahren für Familie und Gesellschaft- zuletzt in einem offenen Brief des Katholischen
Arbeitskreises der HuK - bleiben unbeantwortet. Eine Auseinandersetzung mit den
gesellschaftlichen Änderungen und den Auswirkungen auf die Formen des Zusammenlebens wird
nicht wirklich gesucht. Das erst seit etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts Verständnis
von Ehe und Familie wird zu einer ewig gültigen Wahrheit hochstilisiert.
Wenn Bischof Lehmann im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften von der Wahl
der Lebensform spricht, verkennt er die zur Natur des Menschen gehörende Orientierung der
Sexualität, wie es auch im aktuellen Lexikon für Theologie und Kirche dargelegt wird.
Für Schwule und Lesben entspricht es ihrer Natur, Liebe, Geborgenheit und Halt in einer
Beziehung zu einem Menschen gleichen Geschlechtes zu suchen. Die Bereitschaft, füreinander
in einer Lebenspartnerschaft Verantwortung füreinander zu übernehmen, verdient die
gleiche rechtliche Absicherung wie sie für heterosexuelle Paare besteht.
Die Anerkennenung und rechtliche Absicherung auch gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften
stellt weder einen Angriff auf den Schutz von Ehe und Familie dar, noch werden
gesellschaftliche Wurzeln untergraben.
Ausdrücklich erkennt die HuK die Notwendigkeit einer ausreichenden finanziellen
Absicherung von Familien an. Die Erziehung von Kindern darf nicht zu einer unzumutbaren
finanziellen Belastung führen. Dies gilt jedoch genauso auch für die homosexuellen
Paare, in denen die Kinder eines Partners leben.
Die HuK fordert die Regierung und die Fraktionen der SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf, unbeirrt vom Säbelrasseln der katholischen Bischöfe ihren Weg zum Abbau der Diskriminierung von Lesben und Schwule und zur Schaffung einer rechtlichen Absicherung auch gleichgeschlechtlicher Paare zu verfolgen.
Für weitere Informationen steht Ihnen zur Verfügung:
Thomas Wunsch, Pressesprecher der HuK
Ernst-König-Str. 61, 59755 Arnsberg
Tel. (02932) 701337
Email:
presse@huk.org