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  Evangelische Kirche von Westfalen: Offener Brief 2  

[Letzte Aktualisierung: Tuesday, 01-Dec-2009 18:10:38 CET ]

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Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. - Dokumentation

Offener Brief 2 an Präses Buß (u.a. Bitte, "diesen Weg weiter zu verfolgen")

Unterzeichnet, in der ersten Phase, von Pfarrern, Pfarrerinnen und anderen (z.B. Presbyter, Presbyterinnen) in der EKvW. Später als "Petition" für alle zum Lesen und eventuellen Unterzeichnen bereitgestellt.

The petition

Lieber Bruder Buß,

wir haben uns sehr gefreut, dass Sie beim Kirchentag an einer Veranstaltung des Zentrums der Ökumenischen Arbeitsgruppe "Homosexuelle und Kirche" e.V. teilgenommen haben und öffentlich deutlich Stellung bezogen haben für eine Normalisierung des Verhältnisses unserer Kirche mit Homosexualität. Es ist wichtig und richtig, dass sich hohe Repräsentanten des deutschen Protestantismus in dieser Weise äussern und so die Akzeptanz homosexueller Menschen innerhalb der Kirche Jesu Christi sichtbar wird.

1. Wir teilen mit Ihnen die Sorge um die weiter bestehende Diskriminierung homosexueller Menschen innerhalb der Kirche, aber auch innerhalb der Gesellschaft. Die Kirche Jesu Christi muss hier parteiisch sein und sich auf die Seite der Ausgegrenzten stellen, wie Jesus selbst es auch getan hat. Das haben Sie mit Ihrer Äusserung beispielhaft getan. Sie bewegen sich damit auf derselben Linie wie schon der Synodalbeschluss unserer westfälischen Kirche von 1996 "Sexualität verantwortlich gestalten".

2. Wir teilen ebenso mit Ihnen die Einschätzung, dass die immer wieder zur Verurteilung männlicher (!) Homosexualität herangezogenen Bibelverse (Lev 18,22; 20,13; Ri 19,22; Röm 1,26-27) dazu nicht aussagefähig sind. Sie sind kontextuell zu betrachten und auszulegen, wie uns die moderne Bibelwissenschaft lehrt. Tut man dies, so kommt man wie Sie zu dem Ergebnis, dass sie von ganz anderen Dingen reden als von Homosexualität im heutigen Sinne (vgl. z.B. Wiedemann).

Das in der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen festgeschriebene Prinzip der Heiligen Schrift als alleinige und vollkommene Richtschnur des Glaubens, der Lehre und des Lebens (Grundartikel I., vgl. auch Barmen I) darf hier nicht ausgeblendet werden. Es erfährt im Gegenteil neue Bestätigung, wenn mit neuen Erkenntnissen der Bibelwissenschaft (!) die Aussagen der Schrift besser verstanden werden können.

3. Die biblische Botschaft der Annahme jedes Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung ist auch und gerade für die heranwachsenden Generationen wichtig. Sie wird sie nicht verunsichern, sondern im Gegenteil befreien und stark machen, ihre sexuelle Orientierung zu entdecken und verantwortungsbewusst zu leben. Insofern ist diese Botschaft Bestandteil der befreienden Botschaft des Evangeliums von Jesus dem Christus.

4. Im Blick auf die Eheschliessung für Homosexuelle sind wir jedoch anderer Meinung als Sie. Die Ehe ist im umfassenden Sinne eine Verantwortungsgemeinschaft, was ausdrücklich die Geburt und Erziehung von Kindern mit einschließt, gleichzeitig aber weit über sie hinausgeht. Auch in homosexuellen Partnerschaften werden bereits heute vielfach Kinder geboren und erzogen. Insofern gibt es kein wesentliches Unterscheidungs- (d.i. Diskriminierungs-) Merkmal, um homosexuellen Partnerschaften die Ehe zu verweigern. Wenn in einer Partnerschaft generationenübergreifende Verantwortung gelebt wird, so ist dies Grund genug, dies staatlich, aber auch kirchlich anzuerkennen und zu fördern.

Wir sind uns bewusst, dass gerade in diesem letzten angesprochenen Punkt noch viel kirchlicher (und gesellschaftlicher) Diskussionsbedarf besteht. Deshalb begrüßen wir Ihre Anregung, die Diskussion nicht abreißen zu lassen und sie behutsam und unter Achtung aller Positionen fortzuführen (im Sinne von Röm 15,7). Sie befinden sich dabei im vollen Konsens mit dem Synodalbeschluss der Synode 1996.

Wir möchten Sie darin bestärken, dafür zu sorgen, dass die theologische Weiterarbeit an diesem Thema in unserer Landeskirche auch institutionell wieder verankert wird und auf allen Ebenen wieder aufgenommen wird.

Ja, lieber Bruder Buß, der Weg, den Sie in dieser Frage für unsere Kirche vorschlagen, ist unserer Meinung nach der einzig richtige und gangbare. Es ist der Weg, sich immer wieder neu von der biblischen Botschaft herausfordern und anfragen zu lassen.

Wir bitten Sie nachdrücklich, diesen Weg weiter zu verfolgen und bieten Ihnen unsere Mitarbeit an. Es wird kein bequemer und leichter Weg sein, er wird unsere Kirche herausfordern, aber wir müssen ihn um des Evangeliums willen beschreiten.

Mit geschwisterlichen Grüssen

Petition sponsor

Erstunterzeichner:
Thorsten Maruschke
Dr. Kerstin Schiffner
Katharina Hiller Frank
Dorothea Helling
Frauke Hayungs
Diana Klöpper
Cornelia Schütter
Prof. Dr. Stefanie Schardien
Daniela Kirschkowski
Prof. Dr. Jürgen Ebach
Dr. Marlene Crüsemann
Sven Schiffner
Markus Sorg
Hartwig Burgdörfer
Silke Panthöfer
Karla Wessel
Ute Waffenschmidt-Leng
Ulrike Ebach
Dirk Weber
Stefanie Elkmann
Ulrich Schulte
Achim Solty
Karin Daniel
Martina Gottschling
Heinz-Jörg Rudnick
Imke Reinhardt-Winteler
Gert Hofmann
Ralf Prange
Hartmut Wortmann
Dominik Kemper
Margarete Steinmann
Julia Meierkord
Frank Rüter
Thomas Jarck
Kathrin Stückrath
Cornelia Fidora
Anke Gödersmann
Merle Vokkert
Dr. Dietmar Kehlbreier
Claudia Reifenberger
Ilona Schmidt
Hellmut Wiegand
Andreas Baeppler
Hans-Joachim Witte
Sandra Laker
Friedrich Laker
Kerstin Schütz
Henrike Reifenberger
Hanno May
Dr. Tabea Esch
Martina Haeseler
Sabine Bärenfänger
Anke Brand
Carola Theilig
Anke Blotevogel
Michael Stiller
Hanns-Dieter Borchers
Prof. Dr. Klaus Wengst
Margret Held
Martina Grebe
Thomas Wessel
Martina Heubach
Uwe Heubach
Regine Vogtmann
Barbara Seydich
Tom Damm
Bärbel Baucks
Sabine Iseringhausen
Ilona Klaus
Martina Gregory
Burkhard Müller
Holger Höppner
Anja Sonneborn
Gunhild Vestner
Heinz-Jürgen Roch
Margareta Laarmann
Christian Siebold
Manuela Theile
Thomas Kotte
Frank Thomaschewski
Henning Waskönig
Hans-Jürgen Bohrenkämper
Simone Venghaus
Sigrid Holtgrave
Günter Niemeyer
Christel Bollmann
Alfred Bollmann
Dörte Gerkan
Petra Hockertz
Reiner Ströver
Gudrun Mawick
Dr. Reinhold Weicker
Wolfhard Kaschubat
Hilda Kaschubat
Tobias Kaschubat
Carsten Schleisiek
Ruth Dirks
Klaus Bombosch
Gabi Watermann
Raimund Dreger
Carolyne Knoll
Christel Reuter
Alexander Meese
Ute Reddig
Waltraud Lemke
Annette Paul
Gabriele Blümke
Marion Trautmann
Sandra Fedeler
Vikariatskurs 2/2009